Werkstattverfahren St. Pauli Hafenkante

Zwischen der Fischauktionshalle auf dem Fischmarkt St. Pauli und dem Beachclub „Strand Pauli“ an den Landungsbrücken erstreckt sich an der Elbe vis-a-vis des Hafenpanoramas ein rauer, befestigter Uferstreifen, der heute als Stellplatz- und Veranstaltungsfläche genutzt wird: Hier findet jede Woche der beliebte sonntägliche Fischmarkt sowie einmal im Jahr der Hamburger Hafengeburtstag statt.
Diese zentral gelegene innerstädtische Fläche in bester Lage soll zukünftig als öffentlicher Freiraum entwickelt werden: der Koalitionsvertrag von 2020 strebt die Erweiterung des Antoniparks („Park Fiction“) auf der wasserseitigen Fläche der Straße St. Pauli Fischmarkt jenseits der Hochwasserschutzmauer an. Das Mandat zur Umsetzung dieses Auftrags ist in Abstimmung mit den Bezirksämtern Altona und Hamburg-Mitte sowie der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) an die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) übertragen worden.
Der bestehende Antonipark ist insbesondere aufgrund des intensiven und außergewöhnlichen partizipativen Planungsprozesses, der in den 1990er-Jahren seinen Anfang genommen hatte und der Eröffnung im Jahr 2003 vorangegangen war, eines der bedeutendsten Beispiele für „Kunst im öffentlichen Raum“ in Hamburg und hat weit über die Grenzen der Stadt hinaus auch international große Beachtung gefunden. Die Ausstellung von „Park Fiction“ im Rahmen der documenta 11 illustriert diese Rezeption.
Die anstehende Planungsaufgabe ist untrennbar mit dieser besonderen Planungskultur am Hafenrand St. Paulis verbunden. Sie knüpft an die Geschichte des Ortes an und zielt darauf ab, das partizipative Planungsverständnis fortzuschreiben. Zwischen 2020 und 2023 wurden durch das Park Fiction Komitee im Rahmen des informellen Planungstools der „Wunschproduktion“ bereits über 700 Beiträge und Ideen aus der Nachbarschaft gesammelt und bilden eine wichtige Grundlage für das Verfahren. In dem verdichteten und mit öffentlichen Freiräumen unterversorgten Stadtteil St. Pauli bietet der Uferstreifen die große Chance, einen neuen Freiraum für die alltägliche Grundversorgung und die Freizeit- und Erholungsnutzung der dort lebenden Menschen zu schaffen und zeitweilig bestehende Nutzungskonflikte um den hochfrequentierten Antonipark zu entschärfen.
Gleichzeitig stellt die Uferfläche einen wichtigen Abschnitt der Landschaftsachse Elbe dar und verknüpft darüber hinaus auch die Landschaftsachse Volkspark mit dem Elbufer. Die Freiraumentwicklung an dieser Stelle hat damit eine herausragende Bedeutung als Lückenschluss im Grünen Netz der Stadt Hamburg. Vor diesem Hintergrund steht neben dem Umgang mit den Ergebnissen der „Wunschproduktion“ die Verbesserung von Durchgängigkeit und Attraktivität der Wegeverbindung an der Elbe, die Schaffung von Grünraum und Aufenthaltsqualität sowie Möglichkeiten von Wasser- und Hafenerleben im Mittelpunkt der Planungsaufgabe.
Der Fokus der Gestaltung liegt nicht auf der Befriedigung von touristischen und kommerziellen Interessen, die an der Hafenkante an anderer Stelle bereits bedient werden. Die zentrale Herausforderung für die Planung an diesem Ort besteht darin, lokale und gesamtstädtische Perspektiven auf der Fläche auszubalancieren und in ein produktives Verhältnis zu setzen.
Dabei ist die Fläche so zu entwickeln, dass sie den technischen Anforderungen des Hochwasserschutzes, der Hafenwirtschaft sowie des Fähr- und Veranstaltungsbetriebs gerecht wird.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.
Kooperatives freiraumplanerisches Werkstattverfahren
Auftraggeberin
Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft
Neuenfelder Straße 19
21109 Hamburg
im Einvernehmen mit
dem Bezirksamt Altona,
der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM),
der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW),
der Behörde für Kultur und Medien (BKM),
der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation (BWAI)
und dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG)